Ganzheitsmedizin funktioniert nicht, wenn man symptomatisch denkt; auch nicht mit "Naturheilmitteln";

Heilpraktiker oder Arzt für Naturheilkunde?
Zwei Berufe, ein Ziel;

Wie sieht es eigentlich mit Ausbildung, Ausrichtung und Fortbildung von Heilpraktiker und Arzt mit Zusatzausbildung Naturheilkunde aus?
Auf den Einzelfall kommt es an. Liegt noch keine Diagnose vor, ist es oft sinnvoll, sich zuerst an einen Arzt zu wenden. Bei klarer Diagnose und chronischen Beschwerden kann jedoch der Heilpraktiker die bessere Wahl sein.

Ein Gespräch unter Freundinnen: "Die Diagnose kann ich dir jetzt schon sagen: Pilze im Darm, Quecksilber in den Zähnen, oder es ist dein Handy." Der Ton klang spöttisch und war auch so gemeint. Die Frau hielt nicht viel von Heilpraktikern. "Geh mit deiner Migräne zu einem ordentlichen Doktor und lass' dir ein Schmerzmittel verschreiben", so der gut gemeinte Rat. "Das zahlt wenigstens die Kasse." Ihre Freundin ließ sich verunsichern. Sie schwört zwar auf sanfte Methoden, trotzdem ging ihr die Frage nicht aus dem Kopf: Wie seriös sind Heilpraktiker? Wie werden sie ausgebildet? Sind Ärzte die bessere Alternative?
Eine einfache Antwort gibt es für das Problem der beiden Freundinnen nicht, nur eine individuelle Lösung von Fall zu Fall. Und: Die Stellungnahmen der Berufsverbände fallen naturgemäß unterschiedlich aus. M. Gerhardus ist Heilpraktikerin und Präsidentin der Union Deutscher Heilpraktiker (UDH), einem von sechs Verbänden, in denen sich die 20.000 bis 30.000 deutschen Heilpraktiker zusammengeschlossen haben. "Heilpraktiker darf sich nur nennen, wer bei den zuständigen Gesundheitsbehörden eine entsprechende Überprüfung ablegt", erklärt die UDH-Präsidentin. "Wir Verbände empfehlen eine dreijährige Ausbildung, also 6 Semester. Denn die Überprüfung ist schwer, die Durchfallquote liegt bei 75 Prozent. "Abgefragt werde darin medizinisches und anatomisches Grundwissen, wie es Medizinstudenten an der Uni lernen. Das Niveau entspricht dem zweiten medizinischem Staatsexamen (ohne spez. Pharmakologie).
Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den naturheilkundlichen Verfahren und der praktischen Ausbildung, die nach Ansicht von Gerhardus im Medizinstudium viel zu kurz kommt. Nach der Prüfung entscheidet der Heilpraktiker meist für einige wenige Verfahren, auf die er sich in Zusatzausbildungen spezialisiert.
Wer als Arzt die Bezeichnungen Naturheilverfahren, Chirotherapie oder Homöopathie auf seinem Praxisschild führt, darf dies nur, wenn er gegenüber der zuständigen Ärztekammer eine vorgeschriebene theoretische und praktische Zusatzausbildung nachgewiesen hat. Die Anforderungen sind unterschiedlich. So verlangt etwa die Ärztekammer Baden-Württemberg bei einem Allgemeinmediziner Nachweise über nur vier Monate zusätzliche Ausbildung in Naturheilverfahren. Bei anderen Verfahren wie etwa der Akupunktur ist die Ausbildung nicht geregelt. Hier haben die ärztlichen Fachgesellschaften medizinische Standards erstellt und bieten Ausbildungen an. "Lassen Sie sich ruhig das Diplom der Fachgesellschaft zeigen", empfiehlt Pollmann. Die Mitgliedschaft in einer solchen Gesellschaft alleine sei kein Qualitätsmerkmal. "Man kann auch katholisch sein und nicht in die Kirche gehen." Der Zwang, alle natürlichen Möglichkeiten auszuschöpfen
Dass Heilpraktiker weder chirurgische Eingriffe noch den Umgang mit medizinischen Geräten lernen und auch wenig Pharmakologie (Lehre von den Wirkungen der Arzneimittel) auf dem Stundenplan steht, ist kein Manko. Es sei eher ein Vorteil, dass ein Heilpraktiker nicht auf Antibiotika oder andere synthetische Arzneimittel ausweichen kann, sondern "die naturheilkundlichen Möglichkeiten tiefer ausschöpfen muss." Allerdings müsse ein Heilpraktiker auch seine Grenzen kennen. "Bei einer akuten Blinddarmentzündung gehört der Patient ins Krankenhaus." Die UDH-Präsidentin empfiehlt, immer darauf zu achten, dass es sich tatsächlich um einen Heilpraktiker handelt. Manche Therapien würden gesetzeswidrig von Menschen ohne eine qualifizierte Ausbildung zum Arzt oder Heilpraktiker angeboten.